"Facebook ist böse" - oder: Umgang mit Facebook-Miesmachern

Neulich passierte es wieder ... zum x- Mal. Ein Mensch (nennen wir ihn xy) sprach mit unheilschwangerer Stimme:

 

"Facebook ... das ist doch Zeitverschwendung und gefährlich ist es auch !"

 

Sowas hast du sicherlich auch schon mal gehört, nehme ich an?

Mach jetzt nicht den Fehler, den ich gemacht habe: frage nicht nach, warum. Statt dessen:  lächle höflich und wechsele das Thema - das Wetter bietet sich an. Oder die aktuelle Grippewelle. Oder dass der VfB wieder gewonnen hat.

 

Völlig egal!

 

Nur - diskutiere nicht mit Menschen, die ein Gespräch so beginnen.  Grundsätzlich hast Du da ein Gegenüber, das Facebook für böse hält, oder für gefährlich, oder für unmoralisch. Oder für ... egal, jedenfalls nix Gutes.


Disclaimer: Wenn Du leidenschaftlich gerne diskutierst, wenn es dabei gerne heftig, laut, leidenschaftlich werden darf - dann hör jetzt auf zu lesen, und stürz Dich in die nächste Diskussion, die vorbei kommt. Allzu lange wirst Du nicht warten müssen, versprochen. Ich wünsche Dir viel Spaß !! (und das meine ich so! - nimms bitte nicht ernst, dann ist alles gut)


Aber zurück zu dem Moment, in dem Du feststellst, dass sich jemand mit Dir über Facebook streiten möchte.

Euer Gespräch könnte ungefähr so laufen:

 

xy: "Facebook ... das ist doch Zeitverschwendung und gefährlich ist es auch !"

 

Du: "Och, ich finde Facebook wirklich ganz nützlich."

xy: "Wofür denn? da treiben sich doch bloß Nervensägen und Rechtsradikale rum."

 

Du: "Also, unter meinen Kontakten sind jede Menge nette Menschen. Und ich habe schon viele kennengelernt, die ich sonst nie im Leben getroffen hätte. Das ist eine tolle Bereicherung für mich."

xy: "Die spionieren Dich doch eh nur alle aus!"


Du: "Ach was, außerdem poste ich keine Sachen, die niemanden was angehen!"

xy: "Bei der Daten-Sammlerei bist Du doch total gläsern! Und die Amerikaner warten doch nur darauf, uns mit unseren gesammelten Daten fertig zu machen!"

 

Die Diskussion gewinnt an Fahrt

(Dein Lächeln wird jetzt etwas gequälter)

 

Du: "Ja, ich weiß, es werden jede Menge Daten gesammelt. Die man auch auswerten kann, und ich weiß auch, dass das passiert und dass dabei auch schon Schlimmes passiert ist. Aber ich fahre auch noch Auto, obwohl ich weiß, dass ich dabei sterben kann!"

xy: "Das ist doch kein Vergleich! Am Steuer hab ich wenigstens selber die Kontrolle - aber wer da was mit meinen Daten macht ... keine Ahnung. Neulich erst hab ich gehört ..."

 

Du beschließt - diese Geschichte möchtest Du NICHT hören. Somit fällst Du Deinem Gesprächspartner ins Wort (obwohl Dir Deine Mutter natürlich beigebracht hat, dass man das nicht macht!)

 

Du: "Ja, ich weiß! Aber ich brauche Facebook, um mit meinen Kunden in Kontakt zu bleiben. Oder um neue Kunden zu gewinnen!"

Können Pferde eine Tastatur bedienen?

xy: "Als ob schon mal jemand was über Facebook verkauft hätte!"

Du holst Luft ...

 

xy: "Und wenn schon, in ein paar Jahren ist Facebook eh tot! und bis dahin treibt Big Brother Schindluder mit meinen Daten!"

Du holst nochmal Luft ...

 

xy: "Also, mich kriegen keine zehn Pferde auf Facebook!"

Du fragst Dich, wie Pferde mit ihren Hufen die Tastatur bedienen sollten?

 

xy: "Für solche Banalitäten ist mir meine Zeit echt zu schade! Da verblödet man ja!"

Du überlegst, ob man nicht auch anderweitig Intelligenz einbüßen kann?

 

xy: "Übrigens, hast Du schon das Neueste von Frau Maier gehört?"

Du: "Ja. Hab ich auf Facebook gelesen. Und direkt an die NSA, Frau Merkel, den Papst und meine Oma weitergeleitet!"

 

xy: ....

Der ist erst mal sprachlos - gut gemacht!

 

So oder so ähnlich laufen viele Diskussionen zum Thema Facebook ab. Fast immer ist es sinnlos, sich darauf einzulassen. Weder der Hinweis, dass in Deutschland 28 Millionen Menschen Facebook aktiv nutzen noch eigene Erfahrungen zeigen Wirkung.
An dieser Stelle: mir ist Pluralität wichtig, und jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene Meinung. Und wer nicht bei Facebook sein will - der läßt es bitte bleiben. Das ist absolut in Ordnung. Nur, Du und ich, wir sehen das anders; und wir dürfen das auch, ohne uns rechtfertigen zu müssen.

Wie Du aus so einer Diskussion wieder rauskommst

Mein Rat: lass solche Diskussionen bleiben. Wenn Du  merkst, wohin es geht, dann kannst Du versuchen, sie höflich, aber bestimmt zu beenden.

 

Etwa so:

"Ich weiss, dass sich beim Thema Facebook die Geister scheiden. Du hast offenkundig eine andere Meinung dazu als ich. Das ist völlig ok. Du mußt ja auch nicht auf Facebook sein, wenn Du nicht willst. Aber bitte akzeptiere, dass ich Facebook nutze und dass es für mich nützlich und gut ist."

Oder:

"Du hast sicherlich recht, es gibt Sicherheitsbedenken. Für mich hab ich die Entscheidung getroffen, dass meine Mitgliedschaft bei Facebook mir mehr Vor- als Nachteile bringt. Wenn Du das anders siehst - ist das Dein gutes Recht! Wollen wir mal wieder zusammen ins Kino gehen?"

Meine Moral von der G'schicht

Nochmal: ich habe kein Problem damit, wenn jemand nicht auf Facebook ist. Das entscheidet jeder für sich selbst, und das ist auch gut so.

Ein entsprechendes Beispiel aus einem ganz anderen Bereich: es gibt Menschen, die morgens um 5 Uhr joggen gehen. Das ist überhaupt nicht meines. Gibt mir das das Recht, diese Menschen davon überzeugen zu wollen, dass Joggen um 5 Uhr morgens falsch ist?

Nein.

Also: tue ich es nicht. Warum sollte ich?

 

Facebook hat sicherlich Mängel im Datenschutz. Natürlich gibt es Menschen, die auf Facebook viel zu viel Unsinniges posten - aber das kann ich regulieren, wieviel ich davon sehe. Es gibt auf Facebook Trolle, und es gibt schlicht Idioten. Die gibt es aber überall - oder kennst Du eine garantiert immer Idioten-freie Zone?

 

Facebook bietet mir die Möglichkeit, interessante, tolle Menschen zu treffen.

Meine Galeristin, die Autorin des Buches, in dem mein Quilt "Don't you love a good mystery, too?" veröffentlicht ist, meine Mastermind-Partnerinnen Elke  und Kathrin - sie alle hätte ich ohne Facebook nicht getroffen. Viele meiner Kundinnen und Kunden hätte ich ohne Facebook nie getroffen.

 

Vielleicht, nein wahrscheinlich: würdest Du diesen Artikel nicht lesen, wenn es Facebook nicht gäbe!

 

Mein Fazit: mein Leben wäre ohne Facebook anders, und ich denke, es wäre ärmer. Weniger bunt.

Ich möchte nicht mehr auf Facebook verzichten. Nur, auf diese Diskussionen ... auf die kann ich gut verzichten.

 

Sehr gut sogar !

Deine Meinung interessiert mich brennend - welche Erfahrungen hast Du mit solchen Diskussionen gemacht? Wie gehst Du damit um? Ärgern sie Dich, oder amüsiert Dich das eher? Das Kommentarfeld gehört Dir, ich bin gespannt:

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Kommentare: 7
  • #1

    Kathrin (Mittwoch, 09 März 2016 15:06)

    Liebe Frauke,

    ...mal wieder ein erfrischend deutliches Statement zu einem auch mich immer widere nervenden Thema.
    Und es ist wie Du schreibst: Ich lasse den Anderen ihre Ansichten und bin weit davon entfernt zu disskutieren oder gar überzeugen zu wollen.
    Wetter, Grippewelle...VfB...ha.. (-;
    DANKE für diese tollen Beitrag!

    Herzlichst Katrhin

  • #2

    Sylvia Wolgast (Mittwoch, 09 März 2016 15:08)

    Deine Argumente gefallen mir, ja, es lohnt nicht sich rumzustreiten.
    Leider ärgere ich mich über diese krassen Verweigerer.
    Warum? Weil sie in keinster Weise nachdenken, wo und wie sie auch ohne Facebook gläsern sind.

    Scheckkarte, Krankenkarte, Handy, Navi, Online-Einkäufe und natürlich die Suchmaschinen-Nutzung. Wir brauchen heute gar kein Facebook mehr, um durchsichtig zu sein.

    So, das musste mal wieder raus :-)
    Lieben Gruß
    Sylvia

  • #3

    Frauke (Mittwoch, 09 März 2016 15:09)

    Liebe Kathrin, für VfB-Fans ist das schon ein ernstes Thema, wir sind da einiges gewöhnt :-)

    Auf jeden Fall bin ich froh, mit diesem Phänomen des "Facebook-Rummufflers" nicht alleine zu stehen. Und es ist ja wirklich genau so, wie Du schreibst: jeder darf seine eigene Meinung haben. Zu jeder gehöre aber auch ich :-))

  • #4

    Frauke (Mittwoch, 09 März 2016 15:13)

    Liebe Sylvia, damit hast Du ebenfalls recht - aber ich befürchte fast, wenn man in diese Diskussion einsteigt, dann wird es bodenlos. (es sei denn, man liebt solche Diskussionen - solche Menschen gibts, und die müssen ja auch ihren Spaß haben !)

  • #5

    Jane Eggers (Donnerstag, 10 März 2016 11:06)

    Deinen Artikel habe ich gern gelesen, liebe Frauke! Schön geschrieben. Ich habe auch aufgegeben bei solchen Gesprächen - es bringt einfach nichts.

    Ob mit alten Freunden in Kontakt bleiben oder Übersetzungsaufträge bekommen: privat und geschäftlich bringt mir FB ganz viel. Auch wir beiden hätten uns sonst nie kennengelernt.

  • #6

    Silke Steigerwald (Mittwoch, 01 Februar 2017 11:39)

    Danke für den herzerfrischenden Beitrag, mit dem ich meine geliebten Lachfalten vertiefen durfte, die glücklicherweise mehr und mehr meine alten Sorgenfalten aus der Stirn radieren.

    Ich kenne auch solche Gespräche, und muss zugeben, ich hab sie sogar vor Jahren ansatzweise selbst so geführt. (Echt jetzt? Komisch, dass ich mich grad jetzt daran erinnere)

    Heute erfreue ich mich an FB: ich finde neue Lieblings-Kunden für meine Seminare, ich finde Lieblings-Menschen, die so ticken wie ich (die Anderen blende ich einfach aus, man MUSS ja nicht alles lesen) und immer wieder genau die Inputs, die ich brauche.

    Übrigens: Ich finde FB ist ein wundervolles Stimmungs-Barometer, das anzeigt, wie ICH gerade drauf bin! Wenn ich mir bewusst bin, was ich gerade lese, kann ich düstere Gedanken sofort wegclicken und mich auf Schönwetter umprogrammieren und mir das holen, was mir grad gut tut.

    Liebe Grüße Silke

  • #7

    Beate (Mittwoch, 01 Februar 2017 13:40)

    Liebe Frauke,
    auch ich dachte noch vor drei Jahren, dass ich FB nicht brauche. Die Argumente kommen mir bekannt vor. � Eines Tages entschloss ich mich, mich bei FB anzumelden. Heute bin ich über diese Entscheidung sehr froh. Gerade für kleine Unternehmen oder für mich als Autorin ist FB super. Ich habe viele neue Kontakte knüpfen können und von Events erfahren auf die ich sonst nicht gestoßen wäre. Mein Motto: lass die Leute reden. Sie wissen gar nicht welche Chancen sie verpassen. Toller Beitrag �.