Sei ein Original. Oder: Deine Kunden wollen DICH.

Neulich hatte Anna einen richtig schlechten Tag - nix klappte. Entsprechend war auch ihre Frage:
"Darf ich wirklich nur komplett von mir selbst Geschriebenes veröffentlichen? es gibt doch viele gute Artikel, das fällt doch bestimmt nicht auf, wenn ich da einfach mal was kopiere?? Ich muß dringend noch einen Blogartikel veröffentlichen, und mir fällt nix ein, gar nix!!"


Ich schob ihr zuerst Schokolade rüber (hilft immer). Danach - einen doppelten Espresso macchiato mit Cantuccini.

Als sie wieder etwas friedlicher aus der Wäsche blickte, beantwortete ich ihre Fragen kurz und bündig mit "Nein. Und: Ja!"

  • Nein - natürlich darfst Du Dich auf die Inhalte anderer stützen. Du darfst sie auch zitieren (und recherchieren darfst Du nicht nur, das musst Du sogar). 
  • Ja - es wird auffallen, wenn Du kopierst. Und es ist schädlich ! (dass es außerdem auch schlicht falsch ist, dämmerte Anna bereits, das führe ich hier nur der Vollständigkeit halber auf).

Jetzt gucken wir uns das mal genauer an. Eine Bemerkung vorab: auch diesen Artikel habe ich unterhaltsam geschrieben, das Lesen meiner Beiträge soll Dir vor allem Spaß machen. Aber: es geht hier um ein wirklich ernstes Thema. Und um ein sehr wichtiges.

Was darfst Du? Was musst Du beachten?

Du darfst natürlich recherchieren, um etwas zu schreiben. Du sollst es sogar - schließlich willst Du fundierte Informationen bieten. Das Internet ist voll von nützlichen Informationen, selbstverständlich darfst, sollst, kannst Du die nutzen. Wenn Du bei der Recherche für einen Blog-Artikel auf etwas stößt, was Du direkt auf Facebook teilen möchtest - prima, mach das ! Deine Fans werden sich freuen, wenn Du Nützliches oder Lustiges postest. Tipps fürs richtige Recherchieren findest Du übrigens hier bei Elke von Federführend Media.

Grundsätze

  • Wenn Du nur eine Info überprüfst, die Du vage im Kopf hast, mußt Du keine Quelle angeben. Du darfst aber - und üblicherweise erhöht das Deine Glaubwürdigkeit.
  • Wenn Du sinngemäß einen Inhalt wiedergibst, dann gib bitte an, woher Du's hast. Es gilt: wenn im Zweifel = verlinken !
  • Wenn Du zitierst (also Text wortwörtlich übernimmst), MUSST Du die Quelle angeben - sonst ist es "Diebstahl geistigen Eigentums".

Dazu hab ich Dir unten am Ende des Artikels auch noch ein paar weiterführende Links aufgelistet.

Beispiele - damits konkreter wird

Damit Du nachvollziehen kannst, was ich konkret meine, hole ich mit ein paar Beispielen weiter aus.

Dieses Bild kennst Du möglicherweise. Es ist ein freies Bild, das Du hier downloaden kannst  - und Du darfst es dann auch verwenden, es hat eine entsprechende Lizenz (vgl. auch die weiterführenden Links ganz unten).

Ich hab dieses Foto schon oft auf Facebook gesehen, meistens mit einem netten Spruch darübergelegt. Haben dann alle, die das Bild mal gepostet haben, was falsch gemacht oder gar geklaut? Nein - die Lizenz des Bildes erlaubt die (fast) uneingeschränkte Nutzung für private und geschäftliche Zwecke.

  • Auch wenn Du ein Zitat drüber legst (das Urheberrecht vertiefe ich hier jetzt nicht - wenn Du das genauer wissen musst oder möchtest, guck in den weiterführenden Links nach) - dann machst Du "was Eigenes". Und darfst das Bild teilen und verwenden.
  • Wenn Du das Bild mit Zitat von jemand anders einfach kopierst und postest ohne Verweis auf die Quelle, dann ist das nicht korrekt (schlechter Stil ist es sowieso, is klar, ne?). Wirklich passieren wird vermutlich nichts - das Bild ist frei zugänglich, ganz viele Zitate sind's auch ... lohnt sich nicht.
  • Es wird schon spezieller, wenn das Bild mit einem EIGENEN Text versehen wird. Wenn also ich Text draufsetze, der nachweislich von mir ist, und Du kopierst das dann, ohne mich als Quelle anzugeben - dann ist das nicht korrekt. Und kann Dir Ärger von mir eintragen, wenn ich das mitbekomme.

Exkurs: Teilen ist nicht kopieren!

Der Unterschied zwischen teilen und kopieren ist wichtig. Teilen tust Du, indem Du einen Beitrag auf Facebook über die entsprechende Facebook-Funktion auf Deiner Seite oder Deinem Profil teilst (wie das geht, liest Du hier und und hier). Dabei bleibt die Info, wer diesen Beitrag ursprünglich gepostet hat, erhalten. Wenn Du kopierst, nutzt Du dazu nicht eine Funktion von Facebook, sondern die Funktionen Deines Browsers (über die rechte Maustaste erreichbar). Dabei geht die Information, woher das Element ursprünglich stammt, weitestgehend verloren, und Du musst dies selbst angeben.


Noch ein Beispiel - und hier wird es zweifelhaft:

Cindy Pfitzmann bietet zum zweiten Mal ihre Freedom Challenge an (kann ich Dir übrigens wirklich empfehlen ). Sie postete das auf Facebook (ok, ich hab mich auch gleich angemeldet ...) Kurze Zeit später tauchte eine zweite Challenge auf - deren Link ich hier NICHT posten werde.

Dieses Bild findest Du auf beiden Websites. Und zwar nicht nur das gleiche Bild (kann vorkommen). Auch das Bilddesign ist zum Verwechseln ähnlich. Die anderen Bilder zeigen ebenfalls einen fast identischen Stil. Der Aufbau der Challenge (15 Videos und schriftliches Begleitmaterial) und die Beschreibung der jeweils drei Themengebiete sind auf beiden Websites SEHR ähnlich. Zufall? Könnte theoretisch sein. Glaube ich aber nicht, dazu sind die Ähnlichkeiten deutlich zu groß.  

Meine spontane Reaktion war ????? kann das wirklich sein? So ein Zufall ?? Dann habe ich nachgesehen ... Cindy macht ihre Challenge bereits zum 2. Mal. Ihre Ausschreibung kam zeitlich zuerst. Aus meinen spontanen Fragezeichen wurden !!!!! - was Du gerne übersetzen darfst mit "sowas geht ja gar nicht!"

Was ich davon halte - und was Kunden wahrscheinlich denken

Niemand schreit sofort "Das hab ich doch schon mal gelesen?", nur weil eine etwas ungewöhnliche Wortwahl an zwei Stellen auftaucht. Wenn Du viel liest, kann es passieren, dass das Gelesene Deinen eigenen Schreibstil beeinflußt; Du verwendest dann vielleicht sogar ähnliche Formulierungen. Sowas kommt vor - fast immer unbewußt und nie in der Absicht, fremde Gedanken für eigene auszugeben. Wenn Du mit Textern und Bloggern sprichst, werden sie Dir das alle bestätigen. Lies mal einen Woche lang konzentriert nur Charles Dickens und versuche dann, einen Text zu schreiben: der wird auf jeden Fall auch "Dickens-Stil" enthalten. Ist normal und nicht schlimm.

Was Cindy hier passiert ist, geht allerdings in eine ganz andere Dimension. Das sieht eindeutig nach einer Kopie "ihrer" Challenge aus, und das geht zu weit. Sowas hat ein Gschmäckle (wie's hier im Schwabenland so schön heißt). Nämlich den faden Geschmack des Nicht-Echten. Das merken Kunden, da kannst Du sicher sein. Und irgendwann wenden sie sich ab ... oder kaufst Du immer wieder eine Marmelade, die einfach laaaangweilig schmeckt?

Die Moral von der Geschicht:

Das Rad ist schon erfunden. Und zwar nicht von mir, und auch nicht von Dir. Das Web ist randvoll mit Texten - viele davon sind richtig gut. Du darfst sie lesen, daraus lernen, Du darfst sie auch teilen.

Wenn Du jemanden zitierst, dann gib die Quelle an - erstens gehört sich das schlicht so, zweitens gibt's gutes Karma.
Inhalte kopieren - das geht gar nicht. Glaube mir, Dein Karma geht sowas von in den Keller. Und wenn Du nicht an Karma glaubst: davon bekommst Du Pickel. Fiese Pickel. Da, wo Du sie nicht haben möchtest !!!
Sehr scharf (im Sinne von: rezent gewürzt, sozusagen) bringt das auch die Textlady auf den Punkt. Wer klaut, riskiert  Ärger - nicht nur Pickel am Allerwertesten. Eine Anzeige ist kein Spaß, kann aber die (verdiente) Folge sein. Darauf zu hoffen, dass es "schon keiner merkt", geht irgendwann in die Hose. Versprochen.

Auswirkungen von kopierten Inhalten auf die Suchmaschinen

Außer dem möglichen juristischen Ärger riskierst Du auf jeden Fall eine Abstrafung durch die Suchmaschinen. Die sind nämlich mittlerweile so schlau, dass sie doppelte Inhalte erkennen können. Wenn dann nicht klar ist, was zuerst da war und warum es eine Kopie gibt, dann - werden BEIDE Quellen als weniger relevant eingestuft.

Wenn Du mehr wissen möchtest zum Thema: "Warum Content-Klau nicht schlau ist, wenn Du auf Google gefunden werden möchtest", empfehle ich Dir diesen Artikel.

Granatenmäßig gut ist auch dieser neue Artikel von Cyndi - allein schon der Titel !! "Was du wissen musst, wenn du anderer Leute Content kopierst". Die Lektüre lohnt sich unbedingt (Cyndi ist SEO-Spezialistin, die in dem Bereich sehr erfolgreich gearbeitet hat).

Weiterführende Links

Rechtsanwalt Schwenke ist immer eine gute Adresse, wenn's um Internet und juristische Fragestellungen geht. Hier ein Text zum Thema Texte und hier zum Thema Bild.

Du bist gefragt

Deine Meinung und Deine Fragen interessieren mich immer. Bei diesem Thema aber ganz besonders - das Kommentarfeld gehört Dir, ich bin gespannt!

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Kommentare: 3
  • #1

    Tina (Freitag, 27 Mai 2016 07:27)

    Hui, da bin ich gerade bei der Elke Schwan Köhr auf diesen Blogbeitrag gestoßen und auch ich habe einen Beitrag in dieser Art schon angefangen. Dann nehme ich ihn , wenn er fertig ist, sofort mit rein. Das Thema Content-Diebe und Co. wird täglich immer größer und auch mir sind schon viele Beiträge aufgefallen, wo man schamlos kopiert und klaut, bis sich die Balken biegen. Ich entdecke sie oft, weil ich jeden Freitag meine Wochenschau-Perlen veröffentliche und von Woche zu Woche stelle ich immer öfter fest, dass sich die Ideenklauer und Copy-Cats scheinbar wie die Karnickel vermehren. Traurig aber wahr :-(
    LG Tina

  • #2

    Frauke (Freitag, 27 Mai 2016 09:13)

    Tina, mich entrüstet vor allem die Dreistigkeit, mit der manche vorgehen. Verzweiflungstäter kriegen ja noch mein Mitgefühl ... Aber wer das öfter und mit System macht, dem fehlt eine Menge. Unrechtsbewußtsein z.B. :-)

  • #3

    Jane Eggers (Dienstag, 31 Mai 2016 10:12)

    Da hast du ein wichtiges Thema unterhaltsam behandelt, liebe Frauke.