Eine Nachlassregelung auf Facebook - brauch ich das?

Hier herrscht gerade herrlichstes Frühlingswetter, was ich sowieso herrlich finde. Heute bin ich darüber besonders froh, denn Anna* hat ein etwas schweres Thema mitgebracht:

"Sag mal, Frauke, wie ist das eigentlich, wenn ich mal nicht mehr bin?" will sie von mir wissen. "Wer meinen Kram erbt, ist geregelt - aber was ist mit meinem Facebook-Profil? Neulich meinte Facebook, eine letztes Jahr verstorbene Bekannte würde sich doch sicherlich über einen Geburtstagsglückwunsch freuen - das fand ich ziemlich spooky!"

 

Gute Frage - und eine wichtige dazu! Außerdem bespricht man sowas am besten, wenn draußen die Sonne lacht und die Vögel ein Konzert vom Feinsten abhalten. Das haben wir dann auch gemacht. Und ich hab für Dich aufgeschrieben, was Du zu diesem Thema wissen solltest. 

 

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist: Du schreibst Dein Passwort für Deinen Facebook-Zugang auf und legst ihn zu den anderen Nachlass-Dokumenten. Da Du Dein Passwort aber regelmäßig ändern solltest, ist das ein sehr aufwändiges Verfahren, und ich rate Dir davon ab. Entweder führt das dazu, dass Du Dein Passwort nicht regelmäßig änderst, oder Dein Passwort ist im Ernstfall sowieso nicht mehr aktuell. Beides nicht unbedingt erstrebenswert, oder?

 

Facebook selbst bietet zwei Varianten zur Todesfall-Regelung an: Du kannst einen Nachlassverwalter einsetzen (dann bleibt das Konto erhalten, mehr dazu unten) oder Du legst fest, dass im Falle Deines Todes Dein Konto gelöscht wird (auch dazu unten mehr). 

Bitte denke auch an Deine Facebook-Seite (also Dein geschäftliches Profil), Dein Werbekonto und Deine Facebook-Gruppen (wenn Du welche hast, bei denen nur Du als Admin eingetragen bist). Auch dazu findest Du weiter unten Vorschläge. 

 

Du kannst natürlich auch einfach gar nichts vorbereitend regeln. Das ist weder verboten, noch falsch. Ich halte es nur nicht für allzu klug - vor allem, wenn Du Facebook auch für Dein Unternehmen nutzt. Mit meinen Hinweisen hast Du das in ner halben Stunde erledigt - und dann ab in die Sonne, das Leben genießen :-)

Der Gedenkzustand - was ist das?

Wenn Facebook erfährt, dass ein Mitglied verstorben ist, wird das Konto in den sogenannten "Gedenkstatus" versetzt. Dann steht neben dem Namen "in Erinnerung" (es sei denn, Du hast Facebook beauftragt, Deinen Account zu löschen - mehr dazu unten) .

 

Für die Mitteilung des Todes eines Mitgliedes hat Facebook einen eigenen Antrag - den findest Du hier.

Damit niemand damit Unsinn treibt, bittet Facebook auch um die Überlassung eines Nachweises. Solche Meldungen werden von einem Team geprüft. Wird festgestellt, dass das Mitglied tatsächlich verstorben ist, wird der Gedenkzustand aktiviert.

Dadurch kann sich niemand mehr bei diesem Konto anmelden. Das Posten auf diesem Profil ist aber noch möglich (natürlich abhängig von den Privatsphäre-Einstellungen, die für dieses Profil gelten). Was auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig erscheinen könnte, hat einen positiven Sinn: Freunde und Verwandte können so Erinnerungen miteinander teilen. Das wird auch gerne genutzt; getreu dem Motto "solange sich noch jemand an Dich erinnert, bist Du nicht wirklich ganz weg".

 

Übrigens: Facebook entfernt verstorbene Mitglieder aus den Geburtstagsvorschlägen. Wäre das Facebook-Konto von Annas Bekannter in den Gedenkzustand versetzt worden, hätte Facebook also Anna nicht vorgeschlagen, doch mal zum Geburtstag zu gratulieren.

Der Nachlasskontakt

So wie Dein materieller Nachlass von jemandem abgewickelt werden muss, kannst Du auch für Deinen Facebook-Account festlegen, dass sich jemand darum kümmern soll. Das ist der sogenannte Nachlasskontakt. Den musst Du einmalig einrichten. 

Über diesen Link landest Du direkt in DeinenSicherheitseinstellungen, und zwar im Bereich "Nachlasskontakt".

Du kannst dort jemanden eintragen, der nach Deinem Tod Dein Konto verwalten kann.

 

Es ist sicher eine gute Idee, mit diesem Menschen vorher zu sprechen. Du wirst höchstwahrscheinlich jemanden wählen, der Dir nahe steht - ein vertrautes Familienmitglied oder jemand, mit dem Du eng befreundet bist.

 

Was der Nachlasskontakt genau kann bzw. nicht darf, erläutert Facebook ausführlich hier. Die wichtigsten Punkte:

  • Er darf einen fixierten Beitrag für Dein Profil erstellen (z.B., um einen Link zu Deinem Gedenkbuch zu posten).
  • Er darf sowohl Dein Profilbild als auch Dein Titelbild aktualisieren.
  • Er darf sich NICHT in Deinem Konto anmelden.
  • Er darf Deine Messenger-Nachrichten NICHT lesen.
  • Er darf die Beiträge in Deiner Chronik NICHT ändern oder entfernen.

Du kannst wählen, ob Dein Nachlasskontakt eine Nachricht bekommen soll oder nicht. Wenn ihr vorher darüber gesprochen habt, dann dient diese Nachricht nur noch der Bestätigung, dass der Nachlasskontakt jetzt aktiv und eingetragen ist.

 

Der Text ist editierbar, Du kannst ihn also so verändern, wie Du magst.

Und Du kannst auch ganz auf die Nachricht verzichten.

Konto nach dem Tod löschen

Alternativ kannst Du auch hinterlegen, dass im Falle Deines Todes Dein Konto gelöscht werden soll - dazu klickst Du unten auf "Kontolöschung anfordern".

Es öffnet sich ein Textfeld, das Du links als Bild siehst.

Damit wird Dein Konto komplett gelöscht, alle Deine Beiträge verschwinden dauerhaft von Facebook (sobald Du Facebook als verstorben gemeldet wurdest und Facebook sicher ist, dass das auch stimmt). 

 

Das mag auf den ersten Blick als die bessere Option erscheinen. Aber denke daran: dann kann auch niemand seine Trauer um Dich auf Deinem Profil ausdrücken. So wie ein Grab für viele Hinterbliebene ein wichtiger Ort zum Gedenken und zum Erinnern ist, kann auch Dein Profil für Deine Facebook-Freunde eine ähnliche Funktion übernehmen. 

Deine Facebook-Seite (Business)

Falls Du nicht nur ein Profil hast, sondern auch eine geschäftliche Facebook-Seite unterhältst: setze unbedingt einen zweiten Admin ein! Sonst steht die Seite einfach weiterhin auf Facebook, und niemand kann irgendetwas tun. Das wäre nicht gut. 

Dein zweiter Admin könnte z.B. einen Post oben auf der Seite fixieren, dass die Geschäftstätigkeit beendet ist. Dann wissen Deine Fans zumindest, dass es hier nicht mehr weiter geht. Nach einer angemessenen Zeit kann er dann die Seite auch löschen. 

Dein Werbekonto

Auch für Dein Werbekonto kannst Du einem weiteren Menschen Admin-Rechte einräumen. Das solltest Du tun. Ganz besonders, wenn Du Anzeigen unbegrenzt schaltest! (also kein Ende-Datum vorgibst). Rein theoretisch könnte die Anzeige sonst bis insJahr 3536 laufen - und entsprechend Kosten verursachen.
Natürlich werden irgendwann die Rechnungen nicht mehr bezahlt, aber das bedeutet Ärger und Aufwand für Deine Erben. Das kannst Du ihnen ersparen: Ein zweiter Admin kann ganz einfach alle Anzeigen stoppen - und schon entstehen keine Kosten mehr. 

Deine Facebook-Gruppe(n)

Ähnliches gilt auch für Deine Facebook-Gruppen. Wenn Du der einzige Admin bist, wird die Gruppe entfernt, sobald Dein Konto in den Gedenkzustand versetzt wird. Also gilt auch hier: setze unbedingt einen zweiten Admin ein! 

Für all diese Zusatzmaßnahmen gilt: die zusätzlich eingetragenen Administratoren müssen eigentlich nix tun. Sie sind erst gefragt, wenn Du Dich nicht mehr selbst darum kümmern kannst. Und auch dann hält sich ihr Aufwand in Grenzen. Es handelt sich also um Sicherheitsmaßnahmen, die Du einmal einrichtest - und dann ist es auch gut. 

Nachlass auf Facebook regeln? Ja bitte !

Niemand denkt gerne darüber nach, dass unsere Zeit auf unserer schönen Erde begrenzt ist. Aber das eine oder andere kannst und sollst Du am besten (und am einfachsten ...) selbst regeln. Es dauert nicht lange, versprochen. Danach weißt Du - das ist geklärt. Und zur Belohnung bietet sich zur Zeit doch ein Eis an, oder? 


Wer's noch gründlicher mag:

Meine Netzwerk-Freundin Sandra Pfisterer bietet einen vierstündigen Workshop an. Dort erfährst Du umfassend alles, was Du zum Thema "Was wäre, wenn ich jetzt gehe?" wissen solltest. 

Sandra ist ein ausgesprochen fröhlicher Mensch, die unglaublich gerne lacht. Ihr Workshop wird 100% keine Trauerveranstaltung, da kannst Du sicher sein. Ich hab andererseits mitbekommen, wie sie die Informationen zusammengetragen hat: da wird keine Frage offenbleiben. 
Du magst mehr wissen? Dann hier entlang, bitte! 


 

Na, hab ich Dich ein bißchen nachdenklich gemacht? Hast Du Dich schon mal mit dem Thema "Nachlass auf Facebook" beschäftigt? Magst Du erzählen, wie Du das geregelt hast? Wie immer - das Kommentarfeld gehört Dir: 

Der Nachsatz zu "Anna"

*Anna ist frei erfunden - hast Du Dir wahrscheinlich schon gedacht, gell :-) Ihr lege ich die Fragen in den Mund, die meine Kunden mir so stellen. Es sind also "echte" Fragen, die ich in dieser Rubrik beantworte. Aber damit niemand Angst haben muss, seine Fragen zu stellen, hab ich Anna erfunden. Ihr ist wirklich keine Frage peinlich. Überhaupt - auch Dir müssen Deine Fragezeichen nicht peinlich sein. Stell doch einfach Deine Fragen, Du wirst sehen, auch andere wissen das nicht und sind dankbar, wenn wir (also Du als Stichwortgeberin, Anna und ich) dann für das Verschwinden von so nem Fragezeichen sorgen :-)

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