Blogparade: Richtig gute Zusammenarbeit

Angelika Neumann hat zu einer Blogparade aufgerufen (die läuft übrigens noch bis zum 14. April - Du kannst also noch mitmachen!). Das Thema sprang mich spontan an: Richtig gute Zusammenarbeit. Was ist das für mich? Woran erkenne ich die? 
Übrigens hat Angelika ihre Blogparade nicht auf eine bestimmte Zielgruppe begrenzt. Sie möchte sowohl Antworten von Angestellten als auch von Selbständigen, die Beiträge sind entsprechend vielfältig. Sie hat einige Fragen als Leitfaden vorgegeben, von denen ich mir ein paar ausgesucht habe. 

Aus welcher Perspektive will ich hier schreiben?

Seit meiner Ausbildung zur Buchhändlerin war ich in unterschiedlichen Bereichen angestellt; rechne ich meine Nebentätigkeiten während des Studiums dazu, komme ich also auf ... na ja ... knapp 30 Jahre Berufserfahrung als Angestellte in verschiedenen Unternehmen. Zuletzt war ich Teamleiterin in einem mittelständischen Unternehmen. Nicht mehr angestellt bin ich seit dem 01.01.2017 - die Erinnerung ist also noch sehr lebendig. 

 

Selbständig bin ich übrigens, weil ich das so wollte. Ich bin in die Selbständigkeit gegangen, nicht aus meinem letzten Job geflohen. Das ist mir sehr wichtig (weil ich in der Vergangenheit auch schon geflohen bin - glaubt mir, das fühlt sich ganz anders an!).


Angucken werde ich beide Perspektiven, aber mein Schwerpunkt hier soll auf der Selbständigkeit liegen. Die 30 Jahre Erfahrung beeinflussen natürlich, WIE ich das Thema "gute Zusammenarbeit" heute angehe - also gehören sie hier auch mit rein. 

Was ist gute Zusammenarbeit für mich?

Egal aus welchem Blickwinkel ich draufgucke: ohne Vertrauen gibt es keine gute Zusammenarbeit.

 

Vertrauen und gegenseitiger Respekt bilden die Basis. 

 

Als Angestellte war mir immer bewusst, dass innerhalb einer Unternehmenshierarchie diese beiden zentralen Faktoren ihre Grenzen haben - man nennt das auch Unternehmenspolitik :-)

Ich hatte zwar einen sogenannten "sicheren" Job, wusste aber immer, wenn das Unternehmen einen guten Grund dafür hat (der nix mit mir zu tun haben muss!), dann muss ich gehen. Andererseits muss auch ein Unternehmen immer damit rechnen, dass ein Mitarbeiter kündigt. 

 

Als Selbständige musste ich einerseits eine ganz andere Dimension von Vertrauen erlernen - und andererseits für mich klären, wie ich mit dem Spannungsverhältnis "ich mag Dich" und "ich arbeite für Dich" umgehen kann. Ganz am Anfang hab ich da Lehrgeld bezahlt - im Rückblick: das war nötig, und ich bin heute sehr dankbar dafür. 

 

Wenn ich für meine Kunden auf ihren Facebook-Seiten poste oder für sie Facebook-Werbung aufsetze - dann geht das nur, wenn sie mir vertrauen. Dieses Vertrauen, das mir meine Kunden entgegenbringen, ist für mich das höchste Gut und ein täglicher Ansporn (klingt nach Phrase? sorry - so empfinde ich das, wirklich. Ich bin mit Leib und Seele Dienstleisterin, und ich bins  wirklich gerne!).

 

 

Die Sahnehäubchen sind dann die Kundenkontakte, aus denen sich freundschaftliche Kontakte entwickeln. Wie im wahren Leben - sowas entsteht, es läßt sich nicht erzwingen. Übrigens glaube ich nicht, dass Freundschaft eine Voraussetzung für Vertrauen ist. Ich vertraue Menschen, mit denen ich nicht freundschaftlich verbunden bin - meiner Zahnärztin z.B. ... Ein gewisses Maß an Sympathie sollte vorhanden sein - wenn man sich schlicht nicht leiden kann, wird das nie ne erfolgreiche Zusammenarbeit werden :-)

Welche Rituale pflege ich?

Als Teamleiterin hatte ich vor allem zwei Rituale, die mir sehr weitergeholfen haben: ich bin morgens und abends in alle Büros und habe allen Mitarbeiter/innen "Guten Morgen" oder einen "Schönen Feierabend" gewünscht. Und ich hatte meine Tür eigentlich immer offen. Beides führte dazu, dass ich immer ne ungefähre Ahnung hatte, wie es meinen Leuten so geht - das fand ich unglaublich hilfreich!

 

Jetzt als Selbständige ... hab ich noch keine, muss ich ehrlich zugeben ... Ich nehme diese Frage aber zum Anlass, da mal drüber nachzudenken. Erstens, weil ich die Kraft von Ritualen sehr schätze. Zweitens, weil ich ganz sicher bin, dass es die Zusammenarbeit weiter verbessern und harmonischer machen kann. Drittens, weil mir gerade auffällt: ich vermisse meine Rituale ! 

Und da ist schon die erste Idee: ich werde mir Postkarten drucken lassen. Nein, eigentlich Aufkleber ... die ich dann als Postkarte verschicken kann. Ein Neukunde bekommt dann diesen Aufkleber / diese Postkarte, und hat damit meine Kontaktdaten "ganz altmodisch" immer griffbereit. Die Idee gefällt mir gerade total :-)

 

Wenn Du Rituale hast für die gute Zusammenarbeit zwischen Dir und Deinen Kunden - verrätst Du sie mir? 

Was ist mein No Go? Was sollte auf gar keinen Fall passieren, wenn man eine gute Zusammenarbeit will?

Das Vertrauen darf nicht erschüttert werden! Wenn das passiert - ist es meist über kurz oder lang endgültig vorbei mit der guten Zusammenarbeit. 

Und ja, das ist mir schon passiert. Fast immer lagen sehr unterschiedliche Erwartungshaltungen zugrunde, oder es kam zu Missverständnissen, die sich nicht vollständig ausräumen ließen. 

Als Angestellte blieb ein Stachel zurück, die Zusammenarbeit wurde mindestens vorsichtiger, oft auch schwieriger. 

 

In meiner selbständigen Arbeit laufen solche angeschlagenen Zusammenarbeiten meist aus. Und ich denke, das ist auch gut so! Klar tut ein verlorener Kunde weh - aber auf Dauer wird das sonst für beide Seiten echt anstrengend. Nach so einer Erfahrung nehme ich mir dann meinen "idealen Kunden" wieder vor, und ich konnte ihn immer um ein paar äußerst wertvolle Punkte ergänzen.

 

Das war etwas, was ich tatsächlich lernen musste: Dass das Ende einer Kundenbeziehung "gut" sein kann - wow - was für eine Erkenntnis! 

Worauf lege ich in der Zusammenarbeit besonders viel Wert?

Natürlich auf Vertrauen - in beide Richtungen. Auf Ehrlichkeit. Auf gemeinsames Lachen ! Und auf Respekt - ebenfalls gegenseitig.

Wenn etwas nicht richtig läuft, oder sich auch nur nicht richtig anfühlt, möchte ich das wissen. 

 

Ich höre sehr genau zu, was Du sagst. Möglicherweise fallen mir dabei Zusammenhänge auf, die Du selbst noch nicht erkannt hast. Die werde ich ansprechen - um gemeinsam mit Dir herauszukriegen, wie Du und ich damit umgehen wollen.

Beispiel? Ich rate Dir z.B. zum Einsatz von Video. Du ... hast Gründe :-) warum das nicht geht ... Wir werden uns diese Gründe dann gemeinsam ansehen und nach Lösungsansätzen suchen. Die können technischer Natur sein. Meistens gehts aber um andere Dinge - wie z.B. die eigene Erwartung, immer perfekt sein zu müssen. Dafür gibts kreative Ansätze, mit denen wir gemeinsam neue Wege einschlagen. Z.B. eine Facebook-Übungsgruppe, die nur aus Dir und mir besteht. Da üben wir gemeinsam - ganz unter uns.

Wichtig ist mir, dass Du Dich auf so etwas einläßt. Da sind wir wieder beim Vertrauen, gell?

 

Der gegenseitige Respekt bedeutet z.B., dass ich anständige Arbeit abliefere. Dafür werde ich eine angemessene Rechnung stellen, und die möchte ich dann bezahlt haben. Meine ideale Kundin bezahlt meine Rechnung übrigens gerne, weil sie den Mehrwert durch meine Leistung liebt :-)


Eine andere wichtige Grundvoraussetzung - wir sind alle Menschen. Wir vergessen etwas ... wir verstehen etwas ganz anders ... wir haben noch andere Kunden ... oder sogar mal ein Privatleben.

Das heißt: wenn etwas nicht läuft wie erwartet, gibts dafür meistens gute Gründe. Wenn wir ehrlich darüber sprechen können, entsteht daraus kein Problem. 


Meine Grundannahme ist: Du bist ok, so wie Du bist. Ich bin's auch. Was wollen wir zusammen rocken? 

Was verändert sich in der Zukunft? Was bleibt gleich?

Gute Frage ... 

Beim Schreiben dieses Artikels ist mir wieder klargeworden, dass für mich die zwischenmenschliche Beziehung  immer an erster Stelle steht. Als ich noch so richtig "Karriere" machen wollte, hat mich das total gestört - weil ich es als hinderlich empfand. Mittlerweile weiß ich, es ist eine meiner Stärken, und mit ihr zu leben, ist erstens sinnvoller - und zweitens viiiiieeeel schöner. Und auch unterm Strich erfolgreicher. 

Das wird also sicherlich so bleiben.

 

Die Sache mit den Ritualen werde ich weiter verfolgen. Da ich ja weiß, wie wichtig und effektiv die sein können ... werde ich mich auf die Suche machen, was mir dazu einfällt :-) 


Auch wenn ich noch stundenlang weiterschreiben könnte ... hör ich jetzt auf. Lieber nehme ich mir das Thema in nem Jahr oder so nochmal vor; dann sicherlich mit neuen Erkenntnissen und Aha!-Effekten. 

 

Liebe Angelika, vielen Dank für diese Blogparade! Diesen Artikel zu schreiben, hat unglaublich Spaß gemacht; und ich wurde einige Male nachdenklich. Was ich immer ein gutes Zeichen finde ... daraus entwickelt sich dann meist ein neuer Gedanke. 

 

Jetzt zu Dir - was macht gute Zusammenarbeit für Dich aus? Pflegst Du da Rituale - und wenn ja, welche? Wie immer: das Kommentarfeld gehört Dir: 

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