Loslassen - oder: was "Klappe halten!"mit Facebook zu tun haben könnte

Es war der 12. Januar 2018. Am Abend vorher hatte ich einen Vortrag gehalten über das Thema Facebook-Werbung (war toll ! mach ich gerne wieder !!), und da ahnte ich es schon: die nächsten Tage halte ich besser mal die Klappe. Weil ich am nächsten Morgen total heiser war, da kam höchstens noch ein Krächzen. 


Und dann sehe ich eine gigantische Ankündigung von Mark Zuckerberg von Facebook zum Thema "Neuer Facebook-Algorithmus" ... und dachte nur: MIST! Dazu müßte ich jetzt live gehen - mit DER Stimme? Ähem. 
Die Diskussion tobte sich fröhlich aus, auf allen Kanälen meldeten sich Fachkundige, Ratsuchende, Verwirrte, Genervte ... und ich schwieg. Weil ich gar nicht sprechen konnte


Außerdem setzte mir meine Ärztin (der ich mein Stimm-Leid krächzend präsentierte) den Kopf zurecht:

SIE SIND KRANK!  Was? Moment mal ... ich ??? ... äh ... yep. Ich war krank.

Nicht nur stimmlos, sondern auch "kraftlos".

Also tobte die Diskussion ohne meine aktive Teilnahme - ich lag krank auf dem Sofa, trank literweise Ingwertee und äußerte mich auch dem Gemahl gegenüber nur schriftlich.

 

Das ging so ungefähr 10 Tage ...

Und die Welt drehte sich weiter

Die Diskussion war lebhaft, es wurde sehr viel Kluges gesagt und geschrieben, einiges war in meinen Augen auch schlicht Quatsch.
Ich machte mir meine Gedanken, las, schüttelte den Kopf oder nickte - und bildete mir meine Meinung. Wenn ich nicht gerade schlief :-) 

An dieser Stelle ein dickes (natürlich virenfreies !!) Danke schön an meine wunderbaren Kundinnen, die die Terminverschiebungen sofort akzeptiert haben. Ihr seid die Besten !!! 

Was hab ich daraus gelernt?

Zunächst: Ruhe bewahren (Wortspiel beabsichtigt ...) zahlt sich fast immer aus. Die erzwungene Nicht-Beteiligung an der heiß laufenden Diskussion erlaubte mir, das Thema von allen möglichen Seiten zu betrachten und mir eine fundierte Meinung zu bilden. 


Zweitens: ich übte mich (mal wieder) im Loslassen ... 
KEINER meiner Kunden ist mir böse gewesen, weil ich Termine verschoben habe.
NIEMAND hat sich beschwert, dass ich mich noch nicht ausgiebig zum Thema "Neuer Facebook-Algorithmus" geäußert habe. Statt dessen kamen zwei Interviewanfragen herein, die ich beide sehr gerne angenommen habe - und wenn die Interviews gelaufen sind, dann setze ich mich hin, schreibe meine Erkenntnisse, Meinungen und Ideen zum neuen Facebook-Algorithmus zusammen. Denn dann kann ich mich fundiert und durchdacht äußern. 
(Eines der Interviews wird übrigens öffentlich verfügbar sein - auf dieser Facebook-Seite; nach dem Interview ergänze ich den konkreten Link!)

 

Hat mir meine Heiserkeit also einen Schnellschuß erspart? War sie so gesehen gut für mich? 
Na, ganz soweit würde ich nicht gehen ... dazu wars zu nervig (10 Tage lang Klappe halten? Och neeeeee !)
Aber sie hat mich dazu gebracht, mal wieder übers Loslassen nachzudenken. In diesem Fall: über meine Erwartungshaltung an mich selbst. 

Niemand (außer mir selbst) erwartet von mir, dass ich sofort meinen Senf zu einer aktuellen Entwicklung von mir gebe. Statt dessen sind alle sehr zufrieden, wenn sie von mir durchdachte, nachdenkliche Analysen und einfach anwendbare Rezepte bekommen. Ich selbst bin damit übrigens auch sehr zufrieden :-) 

Dass ich mir das mal wieder bewußt machen konnte, dafür bin ich schon dankbar. 

 

Die ersten Tage war das tatsächlich eine echte Übung - ich haderte ganz schön mit meinem Schicksal: "Ausgerechnet jetzt !!" - als ob ich es im März lustiger gefunden hätte.

"Aber ich muß doch!" - ja, ich muß: die Klappe halten und wieder gesund werden.

"Wenn ich jetzt nix dazu sage, dann ..." - die Änderungen fangen gerade erst an, ob ich mich sofort dazu melde oder erst später, ist vermutlich nicht so wichtig. Vielleicht ist es sogar besser, sich erst zu äußern, wenn der erste Hype durch ist?

Irgendwann ergab ich mich einigermaßen in mein Schicksal <melodramatischer Trommelwirbel>. Ich tat Sachen, die ich schweigend tun konnte: ich las, ich lernte, ich guckte Video. Und ich dachte :-)

Und die Moral von der G'schicht:

Ironisch daran finde ich, dass ich meinen  Kundinnen immer wieder sage: Nimm Deine Aktivitäten auf Facebook ernst, räume ihnen eine hohe Priorität ein. 

 

Aber noch wichtiger ist mir:
Wenn Du - warum auch immer - eine Zeitlang nicht so agiert hast, wie Du das möchtest (oder wie wir das gemeinsam besprochen hatten), dann kommt der entscheidende Moment. 

  • Du kannst aufgeben (so wie bei ner Diät - "jetzt hab ich die Schokolade schon gegessen, jetzt ist die ganze Diät eh sinnlos!").
  • Oder Du stehst am nächsten Tag einfach wieder auf und machst weiter. Als hätte es die Unterbrechung nie gegeben. 

 

Ich nenne das:

  • den eigenen Perfektionismus entlarven
  • die Erwartungshaltungen an mich selbst loslassen
  • nett zu mir selber sein
  • und einfach wieder in den Ring steigen.

Höchstwahrscheinlich dürfen wir dann feststellen: alles gut. Oder, um den Postkartenspruch zu bemühen:
Hinfallen - wieder Aufstehen - Krönchen richten - weitergehen. 

Ist es so einfach, den eigenen Erwartungsdruck loszuwerden ?

Natürlich nicht :-) 

Schön wäre es - dann täten wir alle brav "loslassen", was uns ärgert, quält oder belastet. Und schon wär alles gut, fast schon Rosamunde-Pilcher-mäßig

gut :-) 


Es ist aber nicht so einfach - es ist ein Prozeß. Für mich vermute ich, einer, ders ganze Leben dauert. Mit Rückschlägen, mit Erfolgen, mit "ich dachte, das wär ich schon los"-Seufzern ... und dann wieder von vorne. 

Für mich selbst ist entscheidend:

 

  • nicht aufgeben.
  • Neu bewerten - ja.
  • Nachjustieren - klar, immer.
  • Mir Hilfe holen - wenn nötig, unbedingt!

Achtung, hier kommt der Werbeblock: Wenn Du mit mir zusammenarbeiten möchtest, damit Du den für Dich richtigen Weg in den sozialen Medien findest, dann lass uns doch mal drüber reden. Buch Dir hier Deinen Termin! Ich freu mich auf Dich. 


Und was bitte hat das mit Facebook zu tun?

Möglicherweise nix, wenn für Dich Facebook einfach nur ein x-beliebiges Tool ist, von dem Du Dir nicht allzuviel versprichst. Dann wird es auch so sein. Es ist dann ein Aufwand, es ist mühsam, es bringt nicht wirklich viel ... und diese Algorithmus-Änderung könnte ja auch dazu führen, dass es für Dich noch weniger bringt, oder?  

 

Oder ich hab Dich ein wenig nachdenklich gestimmt (würde mich freuen!). Und Du überlegst, was Facebook genau für Dich ist, was Du Dir für Dich und für Dein Business davon erhoffst. Vielleicht stellst Du fest, dass Du Dich von manchen Erwartungen verabschieden solltest? Dann lass sie los. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dafür neue Aspekte auftauchen werden, die Wertvolles in sich tragen. 

 

Vielleicht verspürst Du jetzt eine gewisse Erleichterung, weil Du denkst - hey, ich kann dieses ganze Social Media entspannter angehen? Ich muß mir nicht soviel Druck machen, ich kann meine Anforderungen an mich selbst meiner Realität, meinen Kenntnissen und meinen Möglichkeiten anpassen. Ja, das hat was mit Loslassen zu tun ... soll aber nicht bedeuten, dass Du Dich und Dein Know-How nicht weiterentwickeln sollst :-) 

Nur, wenn Du den Zwang, den Druck oder auch das Vergleichen reduzierst - dann tust Du Dich mit vielem leichter. Das ist für mich das Geschenk beim Loslassen: etwas wird leichter. Und das - finde ich etwas Wunderbares, das wünsche ich mir auch für Dich! 


Dieser Artikel wurde inspiriert von der Blogparade der großartigen Silke Steigerwald - und Du ahnst es schon, es geht ums Loslassen. Schau unbedingt vorbei, es gibt eine wunderbare Sammlung von Artikeln zu entdecken aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.
Liebe Silke, danke für diese schöne Blogparade, die mir die Idee zu diesem Artikel schenkte! 


Und jetzt würde mich Deine Meinung interessieren: welche Erwartungen hast Du an Dich selbst, wenns um Social Media geht? Wie gehst Du mit ihnen um? Und wie gehst Du mit Erwartungen um, die von außen an Dich herangetragen werden? Mit all den "Du sollst ... Du mußt ... Du sollst nicht ... Du darfst unter keinen Umständen", die durch den Äther schwirren? 
Ich freu mich auf Deine Kommentare: 

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Kommentare: 2
  • #1

    Kathrina (Freitag, 02 Februar 2018 08:48)

    Hallo Frauke,
    Du hast eine soo schöne Schreibe, ich les Dich sehr gern. Danke für Deine Gedanken!
    (und huch, Du hast ja auch was übers Vergleichen geschrieben, schmunzel....schön!)

    Ich fühl mich manchmal von Social Media, sprich FB, gehetzt, unter Druck gesetzt, genervt.... da schleicht sich schonmal ein "ichmussjanochcontentproduzierenundwerbung machenundundund" ein... und ständig ändert sich was an Technik, dabei beherrsch ich das Alte doch noch nichtmal blablabla...
    Und dann die Werbung von "wiedudankfacebookeinemillionumsatzinzweitagenmachst" und meine gefühlte Unzulänglichkeit...

    BLA... Benachrichtigungen und Abos abschalten, Dich als kompetente, humorvolle und verständnisvolle Begleiterin buchen, Krönchen aufsetzen und einfach weiter mein Ding machen, in MEINER Geschwindigkeit und ähm, ja, es darf auch Spaß machen. Definitiv alles gute Entscheidungen :-)

    Ich war ja auch ein paar Wochen stille. Sprechen konnte ich zwar, aber es war eher so eine Art Gedanken-und Schreibblockade. Nu geht`s wieder, und ich freu mich drüber. Bin dadurch jetzt klarer geworden, und das fühlt sich gut an.

    Das ist mein spontaner Gedankensenf dazu.
    Ganz liebe Grüße
    Kathrina

  • #2

    Carina (Donnerstag, 08 Februar 2018 12:22)

    Liebe Frauke,

    vielen Dank für diesen wundervollen Artikel zum Thema Loslassen. Für mich ist es gerade in Hinblick auf Blogartikel relevant. Ich hatte mir im Januar eine Blogpause verordnet und SOLLTE jetzt eigentlich wieder schreiben - will ich aber nicht. Nach intensiver Diskussion mit meinem Gewissen habe ich mich durchgesetzt ;-) Den ersten neuen Artikel gibt es erst in ein paar Wochen. Bis dahin reaktiviere ich immer mal wieder "alte" Artikel - mit dem Ergebnis, dass diese immer noch brandaktuell sind und nun auch neue Kommentare erhalten. Wertvolle Erkenntnis! :-)

    Liebe Grüße
    Carina