Vergleichen? Selbstverständlich - oder doch eher: lass es bitte???

In meinen Beratungsgesprächen kommt immer wieder mal das Gespräch auf "die ANDEREN" (konkret: auf die Facebook-Seiten der direkten Mitbewerber). Bei denen alles toller ist: die haben mehr Fans ! da wird immer ganz viel kommentiert ! Überhaupt - da ist alles besser. Das will ich auch ! Sofort ! Was muß ich tun ???

Mein Haus, mein Auto ... oder: als Kind auch mal Quartett gespielt?

 Hast Du als Kind mal Quartett gespielt? So die Variante "ich hab aber mehr PS als Du!"?

Da wird aus dem Vergleichen ein Spiel - und die Karte mit dem "höchsten" Wert gewinnt. Ganz einfach. Später gabs dann auch mal ne Werbung, die damit spielte ... "Mein Haus, mein Boot, mein Auto ..." - kennst Du, oder? Und insgeheim hast Du sicherlich auch mit den Augen gerollt ... sowas Doofes, sich so zu vergleichen. 

 

(mir gings jedenfalls so - ich fand die Werbung nur sehr mäßig witzig, eigentlich hat sie mich vor allem genervt)

Natürlich gehts in diesem Blogpost nicht ums Quartett-Spielen. Nur ist das ein Beispiel, das jeder von uns sofort nachvollziehen kann.
Denn: fast immer gabs da auch irgendwelche komischen Werte, die vielleicht sogar eher negativ waren (z.B. Gewicht oder so). Trotzdem galt die Regel: wer die höchste Zahl hat, gewinnt. Auch wenn "im echten Leben" das Gewicht eines Autos durchaus auch Nachteile hat (höherer Spritverbrauch, z.B.). 

"Besser" ist eine heikle Aussage

Wenn in einer Beratung eine Kundin den Vergleich der eigenen Seite mit einer anderen Seite anspricht, dann ist fast immer eine Bewertung mit drin. Die andere Seite ist toller - warum auch immer. Und sie ist sauer oder frustriert oder ärgerlich, weil ihre Seite nicht so toll ist. Sie guckt auf einen Faktor (oder auch auf mehrere) und vergleicht die mit einer anderen Seite. 

 

Das Problem: Du guckst aus Deinem Blickwinkel, mit Deinen Maßstäben und Erwartungen auf eine andere Seite. Damit kannst Du in ein Ungleichgewicht rutschen - Du empfindest einen Mangel. 

 

 

Dieser Herr Mangel ist aber definitiv KEIN guter Ratgeber. Der kichert hämisch vor sich hin und pocht darauf, "gewonnen" zu haben. Du fühlst Dich mies, und ändern wird sich leider nix. 

 

Was würde passieren, wenn Du statt dessen mal Deine Kunden fragst? Oder die Fans, die sich schon munter auf Deiner Seite tummeln? Oder auch nur Freunde und Bekannte?

Wahrscheinlich würdest Du so einiges zu hören bekommen:

 

"Deine Seite gefällt mir richtig gut."

"Du postest immer so tolle Sachen!"

"Ich hab schon richtig viel bei Dir gelernt."

"Du kannst so toll erklären!"

 "Ich mag Deinen Humor." 

Welchen Bewertungsmaßstab legen diese Menschen an? Ihren Wissensstand, ihre Erwartungen an Deine Seite (an Deinen Service, an Deine Produkte - was auch immer). 

 

Und darauf kommt es an. NUR darauf.

 

Denn: Deine Facebook-Seite erfüllt in diesem Zusammenhang eine ähnliche Rolle wie ein Köder. Der muß bekanntermaßen dem Fisch schmecken, nicht dem Angler ! 
Wenn also Deine Fans Deine Seite mögen - dann ist alles gut. Dass Du selbst sie immer weiter verbessern willst, ist gut und richtig. Aber: bitte nicht, wenn Herr Mangel gerade seine schleichenden Schritte um Dich herum zieht. Um im Bild zu bleiben: der erklärt Dir eh nur, dass Du bei diesem Spiel keinen Stich machen wirst, weil er alle Trümpfe in der Hand hat. 

Wann und wie "Vergleichen" sinnvoll ist

Wahrscheinlich denkst Du jetzt - schön und gut, das kann ich ja noch nachvollziehen, aber was ist mit "Best Practice"? Oder "lernen von den Besten"? Versucht Frauke jetzt ernsthaft, mir das auszureden???

 

Nein, bestimmt nicht !! 

Das darfst, kannst, sollst Du machen. Wir alle müssen und dürfen über den eigenen Tellerrand gucken. Natürlich stöbere ich immer wieder z.B. bei Katharina Lewald herum und schau mir an, was sie tut - und wie sie es tut. 

Aber ich tue das nicht an einem Tag, an dem ich eh schon denke "ach, ich bin nicht so toll, ich bin nicht gut genug ..." Denn dann rutsche ich in dieses "bei ihr ist alles toller!" ab, das mir keinen Zentimeter weiterhelfen wird. 

 

Nö, ich mach das, wenn ich ganz zufrieden mit mir und meiner Seite bin :-) Dann bin ich einfach neugierig, was andere treiben. Denn dann kann ich was lernen, dann finde ich Ideen, Anregungen, Impulse, die mich weiterbringen. 

 

Dann erkenne ich auch Zusammenhänge, entdecke, was jemand konkret tut (oder eben nicht tut). Das klappt aber nur mit kühlem Kopf. Wenn Herr Mangel mich im Griff hat (klar - mir passiert das auch!), dann ist die Versuchung zwar groß ... aber dann wär vielleicht doch Schokolade die bessere Wahl. Oder (wenns ein bisle gesünder sein soll) ein Spaziergang an der frischen Luft. 

Lass das reine Zahlen-Vergleichen bitte einfach sein !!!

Ich hab mich auf diesem Blog ja schon mal über das Thema "Fanzahlen" ausgelassen.

Lass es mich nochmal ganz klar sagen: Einfach nur auf irgendwelche Kennzahlen starren und die vergleichen, bringt Dir nix. Wir sind hier nicht beim Quartett-Spielen! Wieviele Fans Deine Seite hat, sagt nicht sehr viel aus. Viel wichtiger sind Reichweite und Interaktion. Eine kleine Seite mit ganz viel Interaktion (also lebhaft kommentierenden und teilenden Fans) steht besser da als eine Seite mit jeder Menge Fans, die überhaupt nicht mit der Seite interagieren.
Eine "große" Seite, auf der nix passiert - wozu ist die gut? Tatsächlich nur zu Spielchen wie "Mein Haus ...". Sonst ist sie nutzlos.

Statt dessen achte darauf, WAS andere Seiten WIE machen.

 

Wenn Dir was auffällt, schreib es Dir auf; sonst ist die Erkenntnis vermutlich gleich wieder weg. Und dann setze es um für Deine eigene Seite und probiere es einfach mal aus. Vielleicht findest Du zuerst ganz einfache Sachen - experimentiere trotzdem damit! Möglicherweise funktioniert die neue Erkenntnis bei Dir gar nicht. Macht nix: Du WEISST jetzt, dass das (zumindest heute, hihi) bei Dir nicht funktioniert. Hab Geduld mit Dir und mit Deinen Fans, bleib dran - und lass Dich nicht vom Zahlen-Vergleichen-Spiel ins Bockshorn jagen ! 

 

Übrigens:

Was Du tun kannst, um Deine Seite für Deine Fans interessanter zu gestalten - auch das schauen wir uns zusammen im Facebook Basislager an. Hier kannst Du Dich für die Interessenten-Liste eintragen, dann verpaßt Du keine Infos dazu: 

Und jetzt bin ich neugierig - wie oft erliegst Du der Versuchung des "Vergleichens"? Auf was guckst Du da besonders? Welche Erkenntnisse gewinnst Du? Oder zieht es Dich runter, weil die anderen "viiiiieeeel toller" sind? Das Kommentarfeld gehört Dir, ich freu mich auf Deine Gedanken dazu! 

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Kommentare: 2
  • #1

    Steigerwald Silke (Donnerstag, 20 Juli 2017)

    Liebe Frauke, das Quartett-Spiel ist ein wunderschöner Ansatz und ein super "Bild" für dieses Thema.

    Als ich vor 2 oder 3 Jahren auf FB sichtbar wurde, rutschte auch ich erbarmungslos in das Vergleichen hinein mit dem Ergebnis: FB ist blöd ;-)

    Ich wurde immer unsicherer und unmotivierter dieses "Spielfeld" für mich zu nutzen. Zum Glück hab ich dann dich (FB sei Dank) getroffen und konnte gemeinsam mit dir neue für mich stimmige "Spielregeln" entdecken, die ich in meinem "richtigen Leben" ohnehin schon lange anwende: Nimm dir das, was du brauchst und laß liegen, was dich runterzieht.

    Heute liebe ich meine Seite. Es gibt viele Interaktionen und ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt. Wie viele Gefällt mir ich aktuell habe, weiß ich nicht und ich zähle auch nicht mehr mit.

    Was zählt ist: der unschätzbare Wert, Menschen begegnet zu sein, die ich ohne FB nicht kennen gelernt habe.

    Danke für den tollen Artikel. Und er gilt nicht nur für FB sondern für das ganze Leben: Vergleichen ist blöd. ;-)








  • #2

    Frauke (Donnerstag, 20 Juli 2017 19:48)

    Liebe Silke, tausend Dank für Deine lieben Worte !!! das werde ich nie vergessen, wie Du damals "hier! ICH !!!" gerufen hast, als meine Website endlich online ging ... das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
    Und es macht mir immer noch einen Riesenspaß, Dich auf Deinem Weg in den sozialen Medien zu begleiten. Wenn ich dann sehe, was daraus so entsteht, das ist soooo schön. Dann bin ich immer ein kleines bißchen stolz darauf, weil ich mithelfen durfte.
    Liebe Grüße, Frauke