Wie Du Deine Privatsphäre auf Facebook einstellen kannst

Letzte Woche kam Anna* vorbei - und ich konnte sofort sehen, dass sie ärgerlich und verunsichert war. Auf meinen fragenden Blick hin legte sie auch schon los:

"Mir hat ein Kontakt auf Facebook eine Privatnachricht geschickt, ich sei schuld daran, dass sie doofe Freundschaftsanfragen bekommt. Und deswegen droht sie mir direkt mal mit Entfreundung????" 

Was war passiert - der Sachverhalt

Annas Kontakt - nennen wir sie Elfriede - hatte Freundschaftsanfragen bekommen, die sie nicht wünscht. Laut ihrer Nachricht hat sie sich dann angesehen, welche gemeinsamen Kontakte es gibt. Dabei stieß sie auf Anna - und beschwerte sich in ihrer Nachricht, dass Anna ihre Freundesliste auf "öffentlich" stehen hat.

 

Elfriede forderte Anna auf, das zu ändern. Elfriedes Annahme: wenn alle Menschen ihre Freundeslisten mindestens auf "Freunde", vielleicht sogar auf "privat" stellen, dann wird es für "Kontaktschleudern" schwieriger, ihre Freundschaftsanfragen nach dem Gießkannenprinzip zu stellen. 


Elfriede fragte in ihrer Nachricht außerdem Anna, ob sie denn auf "solche" Kontakte wirklich wert lege (gemeint waren Network-Marketer aus dem Ernährungsbereich). Dazu hab ich eine sehr klare Meinung - die erfährst Du am Ende des Artikels. 

Stimmt das?

In Elfriedes Nachricht stecken wahre Infos drin: Eine starke Eingrenzung der Sichtbarkeit von Freundeslisten kann empfehlenswert sein - ein Allheilmittel ist es nicht. "Kontaktschleudern" haben jede Menge Möglichkeiten, Menschen zu finden, denen sie Freundschaftsanfragen stellen können (und die sie häufig dann mit ungewünschten Nachrichten "beglücken"). 


EINE Möglichkeit ist, Freundeslisten zu durchforsten und so Opfer für neue Freundschaftsanfragen zu finden. Wer sein Geschäftsgebahren allerdings auf das massenhafte Stellen von Freundschaftsanfragen ausgerichtet hat, der findet genug andere Kontaktmöglichkeiten (Gruppen ... Kommentare ... Facebook ist ein NETZWERK, das lebt vom Austausch!).

 

Um einen professionellen Umgang mit Freundschaftsanfragen kommt deshalb kein Facebook-Nutzer herum. Oder anders ausgedrückt: bitte, selber denken :-) Das Thema Fake-Freundschaftsanfragen habe ich übrigens hier genauer beschrieben. 

Schauen wir uns die fraglichen Einstellungen genauer an

Genug der allgemeinen Äußerungen - jetzt schauen wir uns die Einstellungen auf Facebook konkret an.


Wie erreichst Du die Privatsphäre-Einstellungen? 

 

Auf dem PC klickst Du in der blauen Navigationsleiste gaaaanz oben rechts auf das kleine Dreieck. Es öffnet sich ein Menu, das ungefähr so aussieht

 

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Ganz unten findest Du "Einstellungen" - da klickst Du drauf. 

In der Menuleiste links ist der dritte Punkt von oben "Privatsphäre" - das wählst Du aus. 

 

Dann siehst Du diese Übersicht mit den Einstellungen, die Du aktuell gewählt hast. Die gehen wir jetzt der Reihe nach durch. 


Wer kann deine zukünftigen Beiträge sehen?

Vielleicht erinnerst Du Dich daran - ich riet Dir neulich, auch auf Deiner privaten Chronik Beiträge öffentlich zu posten
Dieser Punkt stellt sich immer automatisch um, wenn Du beim Posten auf Facebook die Sichtbarkeit veränderst. 
Du kannst also erkennen, dass ich zuletzt etwas "öffentlich" gepostet habe - deswegen steht da "öffentlich". Stelle ich jetzt beim nächsten Post um auf "Freunde", stellt sich dieser Menupunkt hier auch um. 

Handlungsempfehlung: lies Dir diesen Blogbeitrag durch :-) und entscheide immer wieder bewußt, wer Deinen nächsten Facebook-Post zu sehen bekommen darf.


Überprüfe alle deine Beiträge und Inhalte, in denen du markiert bist

Das ist ein Riesenfeld, das sich hier verbirgt. Da wir da vertieft in "Chronik und Markierungen" einsteigen müssten, schauen wir uns das in einem eigenen Blogpost genauer an. Für unser eigentliches Thema heute ist es nicht von zentraler Bedeutung

 

Handlungsempfehlung: Immer wieder mal ins Aktivitätenprotokoll schauen -  schadet nicht. Sondern schärft Bewußtsein für das, was Du auf Facebook so tust :-)



Möchtest du die Zielgruppe für Beiträge einschränken, die du mit Freunden von Freunden oder öffentlich geteilt hast?

Wenn Du Deine Einstellungen jeweils bewußt vornimmst, was Du mit wem teilst (lies diesen Blogpost dazu) - dann kannst Du das getrost ignorieren. 

 

Handlungsempfehlung: ignorieren. 


Wer kann dir Freundschaftsanfragen senden?

Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Alle
  • Freunde von Freunden

Was für Dich richtig ist, mußt Du selbst entscheiden. Elfriede hat höchstwahrscheinlich "Freunde von Freunden" eingestellt - wer mit seinen Facebook-Kontakten sehr restriktiv umgehen möchte, ist damit gut bedient. 
Ich habe die Einstellung "Alle"  als für mich passend gewählt. Ich bin Einzelunternehmerin, ich möchte gefunden und gesehen werden. Ansonsten prüfe ich JEDE Freundschaftsanfrage, bevor ich sie bestätige - und ich bestätige längst nicht alle. 

 

Handlungsempfehlung: wenn Du eher ängstlich bist - nimm bitte "Freunde von Freunden" (und nein, das ist nicht wertend gemeint). Ansonsten rate ich zu "Alle". 


Wer kann deine Freundesliste sehen?

Das ist die Einstellungsoption, die Elfriede von Anna geändert sehen wollte. Es gibt folgende Einstellungsmöglichkeiten:

  • Öffentlich
  • Freunde
  • Freunde (außer Bekannte)
  • Nur ich
  • Benutzerdefiniert

Im Zuge der letzten Facebook-Aufregungen ist dieser Punkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt - da viel Unfug über "falsche Freunde" getrieben wird, durchaus zu recht. 

 

Schauen wir uns kurz an, was sich dahinter verbirgt. 

Je nach gewählter Einstellung wird Deine Freundesliste Fremden angezeigt - oder eben nicht. Übrigens: "gemeinsame Freunde" sind von diesen Einstellungen IMMER ausgeschlossen ! Sind also Anna und Elfriede beide mit mir befreundet, sehen mich beide bei der jeweils anderen in der Freunde-Liste. 
Oft wird empfohlen, die Einstellung "nur ich" zu wählen - sie sei die sicherste. Momentan ist sie das auch. Allerdings ist das auch die Einstellung, die echtes, wertvolles Netzwerken am meisten erschwert. Da ich ein Netzwerk-Fan bin, mag ich sie nicht besonders.  

Aus guten Gründen wird abgeraten von "öffentlich", weil damit wirklich jeder Deine Freunde-Liste sehen kann - eben auch Menschen, die gar nicht mit Dir befreundet sind. 


Handlungsempfehlung: Wenn Du Deinen Facebook-Account ordentlich pflegst (und eben nicht jede Freundschaftsanfrage einfach blindlings annimmst), dann kannst Du "Freunde" einstellen. Willst Du 100% auf der sicheren Seite sein, dann stelle um auf "Nur ich". Prüfe bitte, ob Du "öffentlich" eingestellt hast - und wenn ja, überlege Dir, ob Du das beibehalten möchtest (ich werde Dir bestimmt nicht vorschreiben, was Du zu tun hast - ich kann und werde Dir nur helfen, eine fundierte Entscheidung für Dich selbst zu treffen).


Wer kann mithilfe der von dir zur Verfügung gestellten E-Mail-Adresse (oder Telefonnummer) nach dir suchen?

Bei beiden Menupunkten gibt es drei Optionen: 

  • Alle
  • Freunde 
  • Freunde von Freunden

Hier geht es "nur" um die Suche auf Facebook. Wer Deine E-Mail-Adresse oder Deine Telefonnummer hat, kann Dich darüber auf Facebook suchen. 


Handlungsempfehlung: es ist fast egal, was Du hier einstellst. Für mich gilt hier auch - ich will gefunden werden, also dürfen mich alle suchen (und finden ...). 


Möchtest du, dass Suchmaschinen außerhalb von Facebook dein Profil anzeigen?

Hier gehts um die Suche auf Google und Co. - nicht um die Suche auf Facebook selbst ! Wenn Du Facebook (auch) geschäftlich nutzt, rate ich Dir dazu, diese Option zu aktivieren. Denn: Du möchtest ja gefunden werden! Übrigens bezieht sich diese Einstellung nur auf Dein Profil, nicht auf Deine Seite. 

Handlungsempfehlung: aktiviere diese Option, damit Dein Facebook-Profil auch von Google und Co. gefunden wird. 


Soweit die Einstellungsmöglichkeiten

Du hast bis hierhin durchgehalten? Wunderbar - dann hast Du jetzt einen Überblick, was sich in den Privatsphäre-Einstellungen verbirgt. Zentral ist tatsächlich die Frage, wer Deine Freundesliste sehen darf. Bitte mach Dir hierüber Deine eigenen Gedanken und triff dann DEINE Entscheidung, was Du für richtig hälst. 

Und jetzt - meine Meinung.

Achtung, es wird sehr persönlich. Und emotional.

Wie schon angedeutet - als ich die Nachricht las, die Elfriede an Anna geschickt hatte, ging mir zuerst mal die Hutschnur hoch. Und zwar gewaltig. Selbst wenn in ihren Ausführungen richtige Hinweise stecken, mit welchem Recht stellt sie solche Forderungen an eine andere Unternehmerin? 

 

Natürlich sehe ich auch jeden Tag auf Facebook Dinge, bei denen ich denke - ne, so ist das nicht schlau. Vielleicht denke ich sogar, das ist falsch !!!  ABER: auch wenn ich berufsbedingt oft mehr weiß über Facebook als andere, ich habe trotzdem nicht das Recht, andere zu schulmeistern. 


Klar ärgere ich mich auch über die Masche mancher Network Marketer  ("Freundschaftsanfrage schicken - nach Bestätigung kommt sofort ne PN mit "willst Du vielleicht weniger wiegen?") - aber wieso sollte ich deswegen alle Network Marketer ablehnen? Ich habe Network Marketer unter meinen Freunden und unter meinen Kunden - das sind supernette, ehrliche, hart arbeitende Frauen, die ich sehr gerne in meinem Netzwerk habe ! 

Und ganz bestimmt erlaube ich niemanden, mir in den Aufbau meines Netzwerks reinzureden. Denn: abgesehen davon, dass jemand Network Marketing betreibt ... wer bitte weiß, was diesen Menschen sonst bewegt? Was sie sonst so tut? Wofür sie sich engagiert? Und ganz pragmatisch: soll ich meine Dienstleistungen vorbeugend "allen" Network Marketern gar nicht erst anbieten, weil vielleicht mal ein oder zwei (oder auch 50 - egal !!) sich in meinen Augen daneben benehmen? Sorry, so pauschal urteile ich nicht (oder auch: so sehr schränke ich mich nicht ein, und ich lasse mich auch nicht von anderen so einschränken). 

 

Facebook steckt übrigens nicht zuletzt deswegen in den aktuellen Schwierigkeiten, weil es DIR und MIR jede Menge Verantwortung überträgt. Und es ist unsere Aufgabe, damit anständig umzugehen. Deswegen schreibe ich Blogartikel - damit Du fundierte, bewußte Entscheidungen selbst treffen kannst. 
Die Verantwortung kann und will ich Dir nicht abnehmen - ich bin eine energische Verfechterin von "selber groß!".  Du führst ein Unternehmen, Du führst ein Leben als Erwachsene - natürlich kannst und sollst Du selbst entscheiden! Dir mögen Infos fehlen, Du wünschst Dir vielleicht Hilfe oder Tipps - gerne, das ist mein Job. Aber ich werde Dir niemals sagen, was Du zu tun hast - das ist DEINE Verantwortung. Und die respektiere ich, das ist für mich von zentraler Bedeutung. 

 

Deswegen werde ich Dir raten, ich werde mit Dir diskutieren, ich werde Dich informieren. Ich werde aber bestimmt nicht sagen - mach das so, sonst bin ich nicht mehr Deine Freundin. "Erziehung über Liebesentzug" ... wenns nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen ... 

 

Puuh. Du merkst - das Thema bewegt mich, es ist mir wichtig. Worauf ich hinaus will: wir haben alle Meinungen und unsere eigenen Überzeugungen. Das ist gut und richtig so. 
Außerdem haben wir alle auf unseren jeweiligen Fachgebieten ein gewaltiges Fachwissen, und das geben wir auch weiter - ich zumindest leb sogar davon :-) das finde ich auch völlig in Ordnung :-)

Nicht in Ordnung ist es (meine Meinung), wenn jemand sich aufgrund seiner Ansichten oder auch seines Fachwissens über andere erhebt. Das Recht habe ich nicht, das Recht hast Du nicht, das Recht hat niemand. Und ich denke grad - das ist der Kern meines Rants hier:

 

bitte räume Du dieses Recht auch niemandem ein,

nur weil er oder sie das gerne hätte !!

 

Du bist selbst groß, Du bist ganz wunderbar so, wie Du bist. Klar darfst Du fragen, Du darfst um Hilfe bitten, Du darfst auch abgeben. Nur, bitte denke immer daran: niemand ist "besser" als Du. Sollte jemand (vielleicht Elfriede?) so tun, als hätte sie die Weisheit mit dem Löffel zu sich genommen - dann stell Dir doch einfach vor, auf dem Löffel sei Rizinusöl :-) Und Elfriede nimmt einen GROOOOOSSEN Löffel davon :-)  

Na, dass mich bei diesem Thema Deine Meinung ganz besonders interessiert - ist klar, oder? Das Kommentarfeld gehört Dir - ich freu mich auf Deine Nachricht ! 

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Kommentare: 6
  • #1

    Katrin W. (Freitag, 06 April 2018 13:22)

    Du wirst mir immer sympathischer

  • #2

    Dr. Heike Franz (Freitag, 06 April 2018 14:09)

    Danke für die ehrlichen Worte und Du hast vollkommen recht. Facebook gibt einem sehr viele Möglichkeiten, aber man muss halt auch selbst Verantwortung übernehmen. Wenn ich eine Freundschaftsanfrage bekomme, schaue ich mir das Profil an und nehme die meistens an. Kommt dann direkt eine PN mit irgendeinem Angebot, entfreunde ich mich sofort. Und Männer, mit unlogischen Profilen (US Navy Angehöriger, geboren in Schweden, Vorname Hannelore, wohnhaft in Damaskus) - dazu brauche ich eigentlich nichts zu sagen. Ablehnen, löschen, melden. Und sich amüsieren. Nochmals Danke, Frauke.

  • #3

    Gela Löhr *LEMONDAYS.DE* (Freitag, 06 April 2018 19:09)

    Liebe Frauke,
    vielen Dank für Deinen Artikel, Deine immer wieder toll verständlichen Anleitungen und Deine klare Meinung.

    Ich kann Dir nur zustimmen: Facebook ist ein Netzwerk zur privaten und geschäftlichen Nutzung. Netzwerkmarketing heißt, Netzwerke zu nutzen, um neue Kontakte zu schließen und eigene Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Hier muss jeder die Methoden finden, die zu ihm passen und mit denen er sich wohlfühlt. Und - wie auch Heike schon geschrieben hat - ich habe die Möglichkeit, die Freundschaft jederzeit zu beenden, was ich bei den von Dir beschriebenen Angeboten übrigens auch gnadenlos mache.

    Mir kam beim Lesen Deines Artikels aber noch ein anderer Gedanke: Was wäre, wenn ich auf diesem Weg ein Angebot bekäme, das ich absolut großartig finde? Das ist noch nicht passiert, muss ich gestehen, aber ich glaube, ich würde mich freuen...
    Also, lasst uns weniger ärgern und einfach mehr Spaß haben!
    Herzliche Grüße, Gela

  • #4

    Soussen (Freitag, 06 April 2018 21:24)

    Großartig geschrieben. Inhaltlich wie stilistisch. Egal ob Facebook, Instagram, Twitter...ein bißchen mit offenen Augen und gesundem Menschenverstand im Social Media Bereich bewegen erspart so manche Kopfschmerzen.

  • #5

    Nicola (Samstag, 07 April 2018 07:17)

    Liebe Frauke, danke für den Artikel und deine Meinung. Ich sehe das ganz ähnlich. Ich möchte Netzwerken und habe durch Facebook viele Menschen kennen gelernt, die ich auf gar keinen Fall mehr missen möchte. Verstand einschalten sollte man jedoch immer, ob man nun auf Facebook unterwegs ist oder bei Amazon Bestellungen aufgibt. Danke für den Artikel.

  • #6

    Renate (Mittwoch, 11 April 2018 09:47)

    Liebe Frauke, was für ein erfrischender und informativer Artikel. Dem selber groß schließe ich mich vollen Herzens an - das gilt ja nicht nur für FB, sondern auch für den großen Rest des Lebens. Ich habe über FB viele Menschen kennengelernt, mit denen es Spaß macht, in Kontakt zu sein, sei es privat oder beruflich.