Ist Deine Facebook-Seite ein nerviger Marktschreier?

Jetzt hast Du also eine Facebook-Seite – klasse ! Nur, was fängst Du jetzt damit an? Was sollst Du da posten? Vermutlich bietest Du eine Ware oder eine Dienstleistung an. Wie wäre es dann mit Werbung?? Schließlich heißt es immer wieder mal: „Meine Facebook-Seite soll verkaufen“!

Dazu habe ich eine klare Meinung. Ich hole ein bisschen aus und erzähle Dir eine Geschichte, ja? 

(für die Herren der Schöpfung: ersetze bitte Schuhladen durch Baumarkt und die Schuhe durch entsprechende Produkte) 

Alptraum im Schuhladen

Stell Dir mal folgende Situation vor. Du betrittst einen Schuhladen. Kaum bist Du durch die Tür, stürzt sich eine enthusiastische Verkäuferin auf Dich. Sie begrüßt Dich begeistert und erzählt stolz, dass Du richtig Glück hast: gerade heute kam die neue Kollektion herein ! 

 

Du bist etwas überrascht von ihrem übersprudelnden Enthusiasmus, aber - die Ware sieht tatsächlich toll aus. Und Du möchtest ja erst mal ein bißchen stöbern, da kannst Du auch bei der neuen Kollektion anfangen.

 

Also gehst Du zu Regalen mit der neuen Kollektion. Wo Du sofort eine weitere, ebenfalls hoch motivierte Verkäuferin an Deiner Seite hast:

 

ob Du denn schon weißt, dass nur heute die Stiefelchen der neuen Kollektion, die ja sooooo schön ist, mit 20% Rabatt verkauft werden?

 

Du bedankst Dich für diese Information, möchtest aber keine Stiefelchen kaufen.

 

 

 

Als Du vor den Zehensandaletten (die Dir gut gefallen) stehen bleibst, taucht - Du ahnst es schon ...  - Verkäuferin Nr. 3 auf. Sie weist Dich darauf hin, dass Du heute beim Kauf von Zehensandaletten ein paar Designer-Wollsocken gratis erhalten wirst.

 

Du fragst nach der Kundentoilette … Um Dich danach wieder vorsichtig an die Zehensandaletten heranzuschleichen – denn die sind wirklich schön. Leider … taucht Verkäuferin Nr. 4 auf, sobald Du Deine Hand nach den Zehensandaletten ausstreckst. Heute seien die Stiefelchen der neuen Kollektion mit 20% im Angebot!

 

 Na? Hast Du noch Lust, weiter zu stöbern? Eher nicht? Kann ich gut verstehen.

 

Ich würde spätestens jetzt die Flucht ergreifen! 

Und was hat das mit meiner Facebook-Seite zu tun?

So ähnlich wirkt das, wenn Du pauschal ständig Werbung auf Deiner Facebook-Seite postest:

 

Kaufen! 

Kaufen!! 

Kaufen!!!

 

Ein Werbe-Post mit Kaufangeboten nach dem anderen. Das wird schnell langweilig oder sogar nervtötend – oder?

 

 Wir wollen als Kunde wahrgenommen werden. Wir mögen es, zuvorkommend und charmant bedient zu werden. Aber platte, aufdringliche Kauf-Aufforderungen lassen uns kalt, stoßen uns sogar ab.

 

Was wir uns wünschen, ist das:

Du betrittst den Schuhladen. Eine Verkäuferin lächelt Dich freundlich an und signalisiert: "Wenn Sie Hilfe möchten, dann melden Sie sich bitte, ja? Ich bin gerne für Sie da."

 

Du lächelst zurück, bedankst Dich und sagst, Du möchtest Dich erst mal ein wenig umschauen. Direkt im Eingangsbereich steht ein Schild: "Unsere neue Kollektion ist da! Wir freuen uns sehr darüber - und damit Sie sich auch freuen, erhalten Sie heute 20% auf alle Modelle der neuen Kollektion."

  

Oh - Denkst Du ... Interessant ... Aber Du willst ja erst mal stöbern.

 Nach ein paar Minuten landest Du bei den Zehensandaletten. Die sind ja mal schön !

  

 

Und so ein paar neue Sandaletten ...

Brauchst Du eh noch ganz dringend ! Du nimmst ein Paar aus dem Regal und probierst sie an. Eine Verkäuferin steht plötzlich neben Dir und sagt: "Die gefallen mir gut an Ihren Füßen. Haben Sie gesehen, dass wir dieses Modell auch noch in Türkis haben? Das ist diese Saison ganz besonders aktuell zu Blue Jeans!"

 

Hm ... Türkise Zehensandaletten zu Deinen heißgeliebten Blue Jeans? Und damit bist Du auch noch voll im Trend? Du bist begeistert.

 

Und kaufst sie.

 Natürlich !

 

Was ist passiert?

Du wurdest wahrgenommen. Du wurdest ernst genommen. Du wurdest aufmerksam, aber nicht aufdringlich bedient. Auch hier hast Du verstanden, dass der Laden gerne Dein Geld möchte und Dir dafür auch einen Anreiz bietet (Rabatt auf die neue Kollektion!). Nur wurde Dir die Information nicht aufgedrängt, sondern einfach mitgeteilt.

 

Deshalb soll Deine Facebook-Seite kein Marktschreier sein

Jetzt übertragen wir dieses Beispiel mal auf Facebook (oder auch andere soziale Medien). Was passiert, wenn Du einen einen Werbe-Post nach dem anderen raushaust? … keiner kauft, keiner klickt „Gefällt mir“, und teilen tuts erst recht keiner. Frust und Enttäuschung machen sich breit, und ganz schnell heißt es – ach, Facebook, bringt doch eh nix.

 

Frag Dich selbst bitte mal ernsthaft: magst Du es, wenn Du einfach nur mit „KAUFEN!“ zugedröhnt wirst? Und sonst nix? Immer nur „Kaufen!!“

 

Um mal Hape Kerkeling zu zitieren: Ich möchte das nicht.

 

Wenn Du das nicht magst, warum sollten es dann Deine Kunden mögen?

 

Es geht auch anders – siehe das zweite Beispiel unseres gemeinsamen Schuhladen-Abenteuers. Da landen wir bei einem Schlagwort, dass trotz seiner "Schlagwort-Qualität" sehr wichtig ist: bei Authentizität. Bei DEINER Authentizität. Wenn Du bis hierher gelesen hast ... dann bist Du bestimmt niemand, der nur plump immer "Ich bin toll - kauf bei mir!" schreit. Nur, was könntest Du stattdessen tun? 

Was Deine Fans sich von Dir wünschen:

  • Unterhalte Deine Fans ! Wir mögen es alle, zu lachen, zu schmunzeln oder zu grinsen.
  • Biete Mehrwert. Im Schuhladen-Beispiel: zeig, was die aktuellen Trends sind. Zeig, wie’s kombiniert wird.
  • Sei nett und freundlich: Wünsche Frohe Weihnachten. Oder ein schönes Wochenende.
  • Stell Fragen ! Wer weiß am besten, was er von Dir will? Genau – Dein Kunde!
  • Oder bitte Deine Kunden zu zeigen, was sie mit Deinen Produkten so machen. In unserem Schuhladen- Beispiel wäre das dann ein Bild meiner Füße, wie sie in den türkisen Zehensandaletten unten aus meiner Jeans vorgucken.
  • ja, Du darfst auch mal Werbung posten. Sollst Du sogar. Faustregel: 10% - 20% ist ok, wenn Du gerade  besondere Angebote hast, darf es auch etwas (!) mehr werden. 

Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Hast Du ganz besonders tolle (oder auch ganz besonders miese …) Erfahrungen im Einzelhandel oder im Dienstleistungsbereich gemacht? Magst Du sie in einen Kommentar schreiben? Und wir gucken dann gemeinsam, was wir daraus für Facebook-Post lernen können? Her damit – ich freu mich drauf:

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Kristiane (Donnerstag, 04 Februar 2016 11:04)

    Ein wunderesbares passendes Szenario hast Du da gewählt liebe Frauke. Es ist genau die Balance, die eine gute Dienstleistung ausmacht und eine Herausforderung in der Umsetzung ist - aber von einfach war ja auch gar nicht Rede ;-)
    ich sende Dir liebe orangene Grüße und sage Danke für diese anschauliche Erklärung

  • #2

    Frauke (Donnerstag, 04 Februar 2016 11:33)

    Liebe Kristiane, und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, das Klischee "Frau und Schuhe" zu bedienen :-))
    Freut mich, dass mein Artikel Dir weiterhilft! Liebe Grüße Frauke

  • #3

    Cornelia (Donnerstag, 04 Februar 2016 16:39)

    Sehr gut beschrieben und deutlich gemacht, liebe Frauke.
    Ja, wenn die Begeisterung mit einem durchgeht ... - da "passieren" solche Posts.
    Werd jetzt öfters darüber nachdenken, was ich poste.
    Mit lieben Frische-Grüßen ;-)
    Cornelia

  • #4

    Mona Schön (Montag, 08 Februar 2016 10:00)

    Liebe Frauke,
    das ist wirklich ein toller Artikel.
    Kurz und schmerzlos und für die die es betrifft, hilfreich heilsam.
    Denn vor lauter, ich wollte doch blos... übersehen wir meist die wirklich wichtigen Dinge - unser Gegenüber.
    Ich bin gespannt auf weitere Artikel von Dir.
    Herzliche Grüße
    Mona