Warum Du nie Beiträge teilen solltest, ohne etwas dazu zu schreiben

Neulich schrieb ich Anna* mit einer Privatnachricht über den Facebook-Messenger an - "Anna, wir müssen reden!" Und schon klingelte mein Telefon. 

  • "Was ist los?" fragte sie leicht besorgt. "Hab ich was falsch gemacht?"
  • "Nicht direkt "falsch" - darf ich "ungeschickt" sagen?"
  • Kurzes Lachen - "na klar, schieß los!" 

    Wer ist Anna? Anna ist eine Kunstfigur - ihr lege ich Fragen in den Mund, die meine Kunden / meine Kundinnen mir gestellt haben.
    Du triffst sie auf meinem Blog öfter.

Was war passiert?

Stell Dir vor, Du bist auf Facebook (oder auch Instagram) unterwegs. Und Du siehst diesen Beitrag: 

Was denkst Du dann?

  • Die Frauke war wohl Pizza essen.
  • Ich mag kein Basilikum!
  • Hat Frauke neues Geschirr? 
  • Bäh, Tomatensoße auf der Pizza! 
  • Wo war sie denn jetzt schon wieder essen? 
  • Fängt sie jetzt auch damit an, ständig ihr Essen zu fotografieren???
  • Pizza - mir doch egal.  
  • Ist die am Rand angekokelt?
  • Soviel Knoblauch? Die wird ja fein gestunken haben ... 

Was davon war meine Absicht?  Du kannst es nicht erkennen, weil ich Dir nix dazu sage. 

Der Vergleich:

Und jetzt schau mal, was dieses Bild mit dem Text bei Dir auslöst: 

Vermutlich verstehst Du sofort, was ich Dir sagen möchte und warum ich Dir dieses Bild zeige. Meine zwei Sätzchen lösen ein Verstehen bei Dir aus für das, was ich in dem Bild sehe und was ich damit mitteilen möchte. 

Poste nie - NIE - NIEMALS etwas, ohne mir Dein WARUM dazu mitzuteilen!

Meine Kundinnen bekommen diesen Satz von Beginn unserer Zusammenarbeit immer wieder zu hören. Warum ist der mir so wichtig? 

Weil Du sonst die Interpretationsmacht über Deine Aussagen an mich abgibst!

In meinem Pizza-Beispiel hab ich Dir eine (sicherlich unvollständige) Liste an Ideen aufgeschrieben, was als spontaner erster Gedanke  beim Anblick des Bildes auftauchen könnte. 

Im zweiten Bild (mit dem Text) liefere ich Dir eine Erklärung mit. 

Stell Dir mal vor, es geht nicht um Pizza. Sondern um Dein Produkt. Deine Dienstleistung. Deine Reputation! 

 

Dann willst Du sicherstellen, dass ich das verstehe, WAS Du mir sagen oder zeigen willst. Das erreichst Du, indem Du es hinschreibst. Du musst nicht viel schreiben (Du darfst, natürlich - aber Du musst nicht). In meinem Pizza-Beispiel hätte auch "Knoblauch ❤ - sooooo lecker!" gereicht. Schon verstehe  ich, dass es hauptsächlich um den Knoblauch auf der Pizza geht - und eben nicht ums Geschirr. 

WAS genau Du dazu schreibst, hängt natürlich vom Gezeigten und von Deinen Zielen ab. Gehe grundsätzlich davon aus, dass Du mir einen Hinweis / ein Stichwort geben solltest, damit ich Dich verstehe. Oft reicht schon ein Satz aus wenigen Wörtern. Nachstehend ein paar ganz allgemeine Beispiele: 

  • Das sehe ich anders.
  • Das sehe ich genauso.
  • <grinst>
  • Ne, oder? 
  • Neu im Angebot: 
  • Unser Bestseller:
  • Sonderverkauf ab ... 

Diese Beispiele sollen Dir aufzeigen, wie kurz Du tatsächlich sein kannst - trotzdem werde ich verstehen, warum  Du dieses Bild ausgewählt hast und was es mir zeigen soll. Und das ist sooo wichtig! 
Lass uns nicht mit Fragezeichen zurück! Im besten Fall erzielt Dein Post dann keine Wirkung. Im schlimmsten Fall hinterläßt so ein unklarer Post ein ungutes Gefühl. Das kann auf Dich zurückfallen. Und es ist so einfach, das zu vermeiden ❤

Das gilt übrigens auch für geteilte Beiträge!

Dieses "Immer in Deinen Worten dazuschreiben, WARUM das Deine Fans / Freunde / Follower interessieren sollte" gilt nicht nur für Bilder, die Du postest, sondern auch für geteilte Beiträge.

Auch da solltest Du mir kurz sagen, WARUM Du mir das zeigst. Stimmst Du zu? Lehnst Du das total ab? Ist es lehrreich? Oder lustig? 

Ach wirklich - immer ???

Du kennst mich schon ganz schön gut :-) Es gibt Ausnahmen - die sind aber selten. 
Eine Kundin und ich hatten einmal eine Werbung mit mehreren Bildern und mehreren Texten laufen. Eines der Bilder trug das Wort "Sale" - und dieses Bild ohne Text lief am besten. ABER: da war die Schlüsselinformation AUF dem Bild drauf! 

Und dann sind da noch die Witze - oder Spruchbilder. Manche davon gehen tatsächlich ohne Begleittext.  Manchmal reicht ein Smiley (oder ein Herzchen, oder sonst ein Emoji). 
Aber schon beim Katzenbild würde ich Dir raten, sag mir, was genau ich da sehen soll! 

Fazit: nimm mich mit. Ein paar Worte machen DEN Unterschied !

Mit ein paar Worten kannst Du aus einem eher nichtssagenden, beliebigen Bild eine klare Aussage, vielleicht sogar ein Statement machen. Lass diese Chance nicht ungenutzt verstreichen, es wär echt schade. Ich will doch verstehen, warum Du mir ausgerechnet diesen Beitrag zeigen willst ! 
Ein Bild sagt zwar mehr als 1.000 Worte - aber in der Kombination mit DEINEN eigenen Worten stellst Du sicher, dass es die richtigen 1.000 Worte sind, die mir durch den Kopf schießen. 


Anna war erleichtert nach unserem Gespräch - sie hatte sofort verstanden,  um was es mir ging. 

"Danke für den Tipp! Da werde ich in Zukunft echt drauf achten - ich will ja verstanden werden!"

"Wunderbar - das freut mich total!" 

 

Und wie ist das bei Dir? Erzählst Du mir,  warum Du mir etwas zeigst? Ich bin gespannt auf Deine Meinung; das Kommentarfeld gehört Dir: 

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Kommentare: 2
  • #1

    Kathrina (Freitag, 28 Februar 2020 11:57)

    Yep, ich erzähl immer, warum ich was teile... aus genau dem Grund: Ich möchte niemanden mit Fragezeichen im Gesicht und einem "Häääääh??" zurücklassen.

    Das hasse ich nämlich selber wie die Pest!!

    Ich will nicht zum Interpretieren "gezwungen" werden.

    Warum? Weil die meisten Interpretationen eh in die berühmte Hose gehen, weil der Andere sich unter Garantie etwas Anderes gedacht hat, als ich vermute.

    Kommunikation wäre sooo viel einfacher, wenn weniger interpretiert und vermutet würde
    *augenroll und seufz*

    Daher frag ich auch meine Gesprächspartner öfter mal "Wie meinstn das?"

    Find ich im Gespräch super, aber bei FacebookPosts mach ich mir die Mühe nicht.

    Und wenn mich jemand damit mehrfach "ärgert", de-abonniere ich denjenigen.

  • #2

    Gabriele Brandhuber (Samstag, 29 Februar 2020 15:55)

    Liebe Frauke, das mache ich genau so, wie Du das beschreibst. Und wenn ich mich nicht ganz irre, habe ich es sogar von Dir zum ersten Mal gehört, an jenem Abend im Café Kaiserfeld in Graz vor... zwei? drei? vier? Jahren. Danke fürs Erinnern jedenfalls, stimme ungeteilt zu. Liebe Grüße, Gabi